• KaltDuschenMitDoris.ch
    Die Energiepolitik der Schweiz
    Energiewende abwenden!
04 Dez 2015

Blackout?

Nicht schlecht gestaunt haben die Zuschauer der Tagesschau am 2. Dezember. Mit ernstem Gesicht liess uns ein Vertreter von swissgrid wissen, dass die Stromversorgung im kommenden Winter knapp werden könnte. Nicht gestaunt hat das kaltduschenmitdoris-Team. Wir hatten ja an dieser Stelle schon vor Monaten darauf aufmerksam gemacht, dass so etwas in Zukunft drohe.

Tags darauf nahm die Presse das Thema auf und vertiefte es teilweise.

Gestaunt haben wir höchstens darüber, dass unsere neue Notstromanlage schon in diesem Winter benötigt werden könnte, dass die Schwäche des Stromnetzes schon jetzt zu Tage tritt.

Aber es kommen halt zwei Faktoren dazu, mit denen man nicht gerechnet hat: In diesem trockenen Sommer konnten die Stauseen nicht wie sonst gefüllt werden. Ohne das viele Schmelzwasser von den Gletschern wäre es noch schlimmer. Dann war nicht vorgesehen, dass gleich beide Blöcke des Kernkraftwerks Beznau still stehen würden. So ist absehbar, dass ein Versorgungsengpass durch Importe gedeckt werden muss.

Noch laufen mehrere Kernkraftwerke in Deutschland; in Frankreich sowieso. In Deutschland und Italien laufen vor allem Kohlekraftwerke. An Strom fehlt es also nicht bei unseren Nachbarn. Aber wie kommt er in die stromhungrige Schweiz? Über das Hochspannungsnetz, das mit einer Spannung von 380'000 Volt läuft. Innerhalb der Schweiz wird die Energie aber mit 220'000 Volt verteilt. Um diese Leitungen zu verbinden, braucht es Transformatoren, und da liegt das Problem: Wir haben nicht genug davon.

Hochspannungstransformatoren kann man nicht im Baumarkt kaufen und kurzerhand anschliessen. Das sind millionenteure Anlagen, die eine Bauzeit von bis zu 2 Jahren benötigen – und sie müssen ein Bewilligungsverfahren durchlaufen. Um sie anzuschliessen, müssen auch die entsprechenden Hochspannungsleitungen vorhanden sein.

Wir haben schon mehrfach darauf hingewiesen wie komplex das Stromnetz ist, wie dringend es ausgebaut werden sollte und dass es nicht gebaut wurde, um dezentrale, volatile Produktion aufzunehmen, mit anderen Worten, dass die Energiewende das Netz zusätzlich beanspruchen werde. Der jetzige Warnruf ist noch gar nicht darauf zurückzuführen, aber er ist eine Vorschau auf kommende Probleme. Die Grafik zeigt, welche Engpässe gemäss Energiestrategie 2050 im Jahr 2035 zu erwarten sind. Während 8 von 12 Monaten haben wir zuwenig Strom!

Ein anderes Energiewende-Problem, das in der Öffentlichkeit noch kaum zur Kenntnis genommen wird, hat in Deutschland bereits überraschende Folgen. Das hat mit einem Phänomen zu tun, das nicht ganz einfach zu verstehen ist, der Blindleistung. Sie entsteht bei den Verbrauchern dadurch, dass die Wechselspannung und der Wechselstrom aus dem Takt geraten. Die Kraftwerke müssen diese Blindleistung kompensieren und dazu braucht es „Rotierende Masse“, das sind die Generatoren. Weder Solarzellen noch Windräder können das. Darum musste man sich in Deutschland etwas einfallen lassen. Die Idee: man lässt die Generatoren der stillgelegten Kernkraftwerke als Blindleistungs-Kompensatoren laufen!

Im sillgelegten Kernkraftwerk Biblis wird der Generator bereits jetzt als Motor betrieben der die fehlende „Rotierende Masse“ liefert. Das ist ein weiterer Kostenfaktor der „Energiewende“, den bisher niemand berücksichtigt hat.

Wir wünschen allen einen milden Winter, so dass die düsteren Prognosen nicht eintreten mögen.

Kommentar

  • Dieses Szenario wird leider immer wahrscheinlicher. Der Bund hat jetzt einen „Krisenstab“ gebildet. Das ändert leider aber nichts daran, dass zur Zeit nicht alle Atomkraftwerke am Netz sind und so genügend Strom produzieren. Die Flüsse in der Schweiz haben infolge des trockenen Jahres viel zu wenig Wasser und liefern daher auch nicht genügend Strom. Das gleiche gilt für die Stauseen. Diese werden sich in den nächsten Monaten auch nicht füllen, damit wider Strom produziert werden kann.
    Jetzt können wir nur hoffen, dass der Winter nicht zu kalt wird und nicht noch ein Stromproduzent aus der Lieferkette fällt. Das ganze grenzt schon an peinliche Planwirtschaft und orientiert sich leider nicht an den vorhandenen Bedürfnissen.

    gepostet von Fastedi Dezember 16, 2015
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