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    Die Energiepolitik der Schweiz
    Energiewende abwenden!
18 Jul 2015

Versorgungssicherheit

In der Kaffeepause einer Tagung steht eine Gruppe, darunter das Kaltduschenmitdoris-Team, um ein Tischchen herum. Da sagt einer, gestern sei sein Notstromdiesel eingetroffen. Er habe diesen gleich am Geburtstag seiner Frau eingeweiht und die Nachbarn hätten gefragt: „Was soll das? Was weisst du, was wir nicht wissen?“ Eine Dame ist nicht verblüfft: „Ich habe mir von meinem Mann einen zum Geburtstag gewünscht; wir evaluieren noch zwei Offerten.“ Eine dritte Stimme: „Meiner läuft schon seit zwei Jahren.“ Da meint der Pressesprecher, der daneben steht: „Ist das nicht eine schöne Schlagzeile: Strom-Insider kaufen Notstromdiesel!?“

Worum geht es? Es mag ein wenig voreilig erscheinen, aber bereits heute ist unser Stromnetz „dank“ der deutschen Energiewende zeitweise an der Grenze der Stabilität. Kurzzeitige Blackouts sind nicht ausgeschlossen und je mehr „Flatterstrom“ aus Wind und Sonne ins Netz gespeist wird, desto kritischer wird die Situation.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BABS) hat eben eine Studie veröffentlicht, in der die Auswirkungen von 27 verschiedenen Bedrohungen untersucht werden. Ein massiver Stromausfall während 2 Tagen, der 1 Million Menschen betrifft, wird als wahrscheinlich innerhalb von 30 Jahren eingestuft. Ein solches Ereignis würde einen Schaden von bis zu 500 Millionen Franken anrichten und eine Produktionseinschränkung von 5 Milliarden Franken bewirken.

Noch drastischer wären die Auswirkungen einer langdauernden Stromknappheit. Die Annahme geht von einer Unterversorgung von 30% während mehrerer Wintermonate aus. Das ist in der Analyse des BABS die grösste Bedrohung überhaupt. Die Folgen wären dramatisch: bis zu 3'000 Tote, bis 10'000 Verletzte, 5 Milliarden Franken materielle Schäden und bis zu 50 Milliarden Franken Produktionsausfall. Der gesamte Schaden dürfte die 100 Milliarden-Grenze deutlich überschreiten.

Die Energiestrategie 2050 steuert geradewegs auf dieses Szenario zu. Bekanntlich setzt diese Strategie den Ersatz der wegfallenden Kernenergie durch neue Erneuerbare und Importe voraus. Beides ist in hohem Masse spekulativ:

•  Solarstrom haben wir vor allem im Sommer. Wie man ihn speichert, damit er zur Verfügung steht, wenn man ihn braucht, weiss noch niemand genau. Sogar Solarimpulse zeigt die Grenzen der Batterietechnik.

•  Windstrom wird es in der Schweiz schwer haben. Unsere Hügelzüge und Berge sind zu schön, um Windmühlen zu tragen und das Energiepotential ist zu klein.

•  Strom aus Geothermie bleibt vorerst eine Utopie und ist ausserdem weder nachhaltig noch erneuerbar.

•  Bleibt der Import. Dafür brauchen wir entweder Garantien oder das Wohlwollen von Seiten der EU. Wie es mit dem Wohlwollen steht, haben wir in der letzten Zeit deutlich erlebt (Fluglärm, Personenfreizügigkeit, Asylbewerber) und die Garantie, ein Stromabkommen, ist ohne gleichzeitiges Nachgeben der Schweiz in allen institutionellen Fragen (Gerichte, Übernahme von EU-Recht, Personenfreizügigkeit) nicht zu haben.

Mit anderen Worten: der Ersatz für den Atomstrom ist bei weitem nicht garantiert und die katastrophale Strommangellage eine reale Möglichkeit.

Notstromdiesel nützen dann auch nicht viel. Der Treibstoff würde wohl bald knapp. Sie helfen aber bei Stromausfall während begrenzter Zeit.

Der ganze Bericht des BABS kann hier heruntergeladen werden.

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