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    Die Energiepolitik der Schweiz
    Energiewende abwenden!
15 Jun 2013

Schlaues Netz – dummes Netz

„Smart Grid“ heisst das Zauberwort! Wenn man auf die unzuverlässige Verfügbarkeit von Wind und Sonne zu sprechen kommt, dann bekommt man oft zur Antwort: „Wir haben dann eben ein smart Grid!“ Was ist das, ein schlaues Netz? Was ist überhaupt das Netz – und war es bisher dumm?

Sämtliche Stromerzeuger und sämtliche Stromverbraucher müssen durch elektrische Leitungen miteinander verbunden sein. Das war am Anfang des Elektrizitätszeitalters noch viel einfacher: In St. Moritz gab es 1878 am Brattasbach ein Wasserkraftwerk, das erste in der Schweiz. Dieses war über eine kurze Leitung mit dem Badrutt’s Kulm-Hotel verbunden und dort verzweigte sich die Leitung zu den einzelnen Bogenlampen.

Heute sind Produktion und Verbrauch oft hunderte von Kilometern voneinander entfernt. Über solche Distanzen kann man Strom nur mit Hochspannung übertragen, die Spannung muss transformiert werden.

Um die Schwankungen der Nachfrage auszugleichen, muss der Strom aus verschiedenen Quellen kommen: Aus Kernkraftwerken, die stetige Bandenergie liefern und aus schnell steuerbaren Wasserkraftwerken.

Transformation und verschiedene Quellen, diese zwei Notwendigkeiten machen das Netz kompliziert. Es besteht aus verschiedenen Ebenen:

Schon heute hat das Netz eine gewisse Intelligenz: Der Stromversorger kann bestimmte Anlagen wie Boiler und Wärmepumpen bei den Konsumenten zu gewissen Zeiten oder bei Engpässen ferngesteuert abschalten. Ein intelligentes Netz müsste das sehr viel kurzfristiger und gezielter tun können. Es müsste „wissen“, wann Hubers normalerweise kochen, Meiers die Sauna benutzen und Frau Müller wäscht und Balmers in die Ferien gehen. Es kann die Heizung bei Ihnen kurz abstellen und bei uns die Kühltruhe. Damit lassen sich Nachfrage und Produktion optimal aufeinander abstimmen. Optimal, aber eben nicht vollkommen. Denn auch das intelligenteste Netz kann der Sonne nicht befehlen zu scheinen oder dem Wind zu wehen.

Unser heutiges Netz ist auf ein System von Grosskraftwerken – Kernkraftwerken und Wasserkraftwerken – ausgelegt. Diese speisen auf der Höchstspannungsebene ein und werden auf der Mittelspannungsebene ergänzt durch kleinere Kraftwerke.

Dies würde sich nach der „Energiewende“ radikal ändern: Die Hochspannungsleitungen über welche die Kernkraftwerke bisher das Netz versorgt haben, wären plötzlich nutzlos. Dafür fehlt die Kapazität auf der Niederspannungsebene, in die nun tausende von Photovoltaik­anlagen (zeitweise) einspeisen wollen.

Das ganze Stromnetz müsste für Milliarden Franken umgebaut werden.

(Grafik: VSE)

Kommentare

  • Ich habe eben einen Sketch zu einer Studie von ETHZ und UniZH im Auftrag des EWZ geschrieben:
    http://regulatorymadness.wordpress.com/2013/07/03/ewz-energie-webstubeler-zurich/
    Bitte lesen. Für eine enorme Studiensumme wird festgestellt, dass Smart Meters für sich nicht so viel bringen. -Das hätte man auch gratis haben können. Es braucht nicht Smart Meters, sondern Smart Grids mit auslastungsspezifischer Preisdifferenzierung (peak load pricing ... und zwar auf einer Sekunden oder Minutenbasis) und Smart Homes. Werke und Kunden bzw. deren Stromverbraucher können so M2M (Kommunikation von Maschine zu Maschine) optimal gesteuert werden. In den USA wurde hochgerechnet, dass sich damit die Strombedarfsspitzen um 20 bis 30 Prozent reduzieren lassen...
    Aber eben, einfach Smart Meters einbauen, damit die Leute erkennen, wann sie viel Strom brauchen, bringt's noch nicht. Dafür hätte es keine Studie gebraucht.

    gepostet von Markus Saurer Juli 03, 2013
  • daidalos

    die elektrizitätswerke wissen genau wer, wann, wieviel strom benötigt oder allenfalls einspeist! ... und dies wissen sie unabhängig davon, ob jeder bei sich zuhause einen smart meter installiert hat oder nicht!

    die gretchenfrage ist eher, ob die elektrizitätswerke bereits bemerkt haben, welch unendlichen Datenschatz sie besitzen? wie sie diesen analysieren und daraus schlüsse ziehen? wie sie daraus innovative anreizsystem für ihre kunden schaffen? wie sie neue geschäftsmodelle daraus ableiten?

    kleines beispiel gefällig? das elektrizitätswerk kann sogar die stromzufuhr für einen elektroboiler oder einen Tumbler fergesteuert ein oder ausschalten. dies kann sie mittlerweilen seit mindestens 40 Jahren. aber was haben die elektrizitätswerke in den vergangenen 40 Jahre eingeführt, um a) die leute zu sensibilisieren, b) die lastgang feiner zu steuern, c) ein datennetz für alle grösseren stromkonsumenten zu erstellen, d) die Effizienz zu steigern oder e) gar erweiterte steuerungsmöglichkeiten einbauen

    die antworten lauten
    a) nein
    b) nein
    c) nein
    d) nein
    e) nein

    schade!

    gepostet von daidalos Juni 18, 2013
  • JA und mit der lokal erzeugten Stromenergie wird ja nur in das lokale Verteilnetz eingespeist. Sollte der Strom nun weiter entfernt benötigt werden, müssten die Transformer in beide Richtungen arbeiten können. Wie heute üblich auf die nächst tiefere Spannung transformieren. Neu müssten diese aber auch auf die nächst höhere Ebene transformieren können, damit die Verluste sich in Grenzen halten. Das sind dann schlaue Transformatoren.

    gepostet von Diethelm Emil Juni 17, 2013
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