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    Die Energiepolitik der Schweiz
    Energiewende abwenden!
03 Feb 2015

Endlager?

Für einmal sind sich das Kaltduschenmitdoris-Team und die Schweizerische Energiestiftung einig: wir wollen kein Endlager für „Atommüll“, allerdings – nicht überraschend – aus völlig unterschiedlichen Gründen.

Wie Jürg Buri, der Geschäftsleiter der Schweizerischen Energiestiftung (SES), der Tagesschau am 30. Januar 2005 treuherzig anvertraute, hofft er für das Jahr 2029 oder so auf ein NEIN des Schweizervolkes zum Tiefenlager in Benken oder Bötzberg. Warum? Weil ihm und seinesgleichen sonst das einzige Argument in ihrem Kampf gegen Atomkraftwerke abhanden käme: „Wohin mit dem Atommüll?“

Dabei ist das gar kein Argument. Atommüll ist nämlich kein Müll. Unsere treuen Leserinnen und Leser wissen das schon. Sie wissen es von hier. Müll ist, was man nicht mehr brauchen kann.

Etwa 96% von dem, was man als „abgebrannte Brennstäbe“ bezeichnet ist Energierohstoff. Das als „Müll“ zu bezeichnen ist so, wie wenn man ein angebissenes Sandwich, eine Suppe, aus der man einen Löffel voll gegessen hat, eine Schüssel Rosenkohl von der man ein Köpfchen verspeist hat, als Müll bezeichnen würde.

Seien wir konkret: Abgebrannte Brennstäbe (=“Atommüll“) bestehen zu 96% aus Uran-238, 1% Plutonium und die restlichen 3% sind die bei der Kernspaltung entstandenen Spaltprodukte.

Ob Müll oder nicht, es muss etwas damit gemacht werden. Was? Wir kennen drei Möglichkeiten: eine dumme, eine teure und eine schlaue.

Die dumme Variante besteht darin, die Brennstäbe zu vergraben und – wegen dem Plutonium mit 24'000 Jahren Halbwertszeit – Sicherheit für Hunderttausende von Jahren garantieren zu müssen. So will es die Energiestrategie 2050.

Die teure Variante ist die Wiederaufarbeitung der Brennstäbe um das Plutonium herauszulösen. Mit dem so gewonnenen Plutonium und mit Uran kann man neue Brennstäbe fabrizieren. Man nennt sie MOX-Brennstäbe für „Mischoxid“. Allerdings entsteht beim Einsatz dieser Brennstäbe wieder neues Plutonium und der Kreislauf kann nicht komplett geschlossen werden. Dies soll in der Energiestrategie 2050 verboten werden.

Die schlaue Variante erinnert sich an längst entwickelte Reaktorkonzepte, welche sowohl das Uran 238 wie auch das Plutonium und ähnliche Elemente spalten und so Energie liefern können. Das sind „schnelle“ Reaktoren, wie sie am Argonne National Laboratory als „Integral Fast Reactor“ (IFR) zur Produktionsreife entwickelt wurden bis Präsident Clinton den Stecker zog. Seine Energieministerin war vorher Mitglied der Geschäftsleitung eines Ölmultis. Ähnliche Reaktoren produzierten in Frankreich während Jahren Strom und sind jetzt in Russland und China hoch im Kurs.

Schnelle Reaktoren (sie heissen so, weil die Neutronen für die Kernspaltung nicht abgebremst werden müssen) können das Uran 238 im Atommüll restlos in Energie umwandeln, aber auch das Plutonium aus Nuklearwaffen. Russland und die USA haben vereinbart, je 36 Tonnen als Kernbrennstoffe freizugeben. Damit könnte ein Kernkraftwerk mit der Leistung von Gösgen 72 Jahre betrieben werden! Der gesammelte Müll aus allen Leichtwasserreaktoren der Welt könnte während 300’000 Jahren die Leistung von Gösgen erbringen.

Wem schnelle Reaktoren nicht behagen schaue nach Boston ans MIT. Dort entwickeln junge Forscherinnen und Forscher den WAMSR. Das Kürzel steht für Waste Annihilating Molten Salt Reactor. Auf Deutsch: Der Müllvernichtende Flüssigsalzreaktor. Aber davon will Frau BR Leuthard nichts wissen.

Bleiben die Spaltprodukte. Das sind die rund drei Prozent der abgebrannten Brennstäbe, die nicht als Energiequelle genutzt werden können. Sie sind die hochradioaktiven Anteile der abgebrannten Brennstäbe. Weil sie so hochaktiv sind, zerfallen sie schnell. Es gilt die Regel: je stärker radioaktiv, desto kürzer die Halbwertszeit. Nach 20 bis 30 Jahren sind praktisch nur noch zwei Isotope stark radioaktiv: Cäsium-137 und Strontium-90. Beide haben eine Halbwertszeit von etwa 30 Jahren. Nach 300 Jahren ist noch ein Tausendstel davon da, nach 600 Jahren ein Millionstel. Dafür braucht man kein Tiefenlager für eine Million Jahre!

Ein Tiefenlager braucht man aber trotzdem. Nicht für den „Atommüll“, aber für die radioaktiven Abfälle aus Industrie und Medizin!

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