• KaltDuschenMitDoris.ch
    Die Energiepolitik der Schweiz
    Energiewende abwenden!
07 Sep 2014

Rückbau

Wenn den Kernenergiegegnern die Argumente ausgehen, kommt regelmässig dieser verzweifelte Einwand:

Nach dem Ende der Betriebsdauer kommt das dicke Ende: die Rückbaukosten werden gigantisch sein.

Das  wird jeweils mit weiteren Behauptungen unterstrichen, wie etwa der, man wisse noch gar nicht, wie so ein Rückbau zu machen sei und die Kosten würden gegen 100 Milliarden betragen.

Wie hält man dagegen?

Man macht sich schlau, wenn möglich an Ort und Stelle. Es gibt nämlich einen dazu geeigneten Ort: Greifswald an der Ostsee. Dort, genauer in der Nähe, in einem Ort namens Lubmin, standen 6 russische WWER-440 Reaktoren mit einer Leistung von je 440 MW. Im Zusammenhang mit der Wiedervereinigung von 1990 wurde beschlossen, dieses KKW stillzulegen und rückzubauen. Als der Entscheid in Kraft trat, hatte eben der fünfte Block den Probebetrieb aufgenommen, der sechste stand kurz davor, war aber noch nicht beladen.

Heute hat die „Energiewerke Nord GmbH“, eine Firma, die dem Bundesfinanzministerium gehört, sehr viel Erfahrung mit dem Rückbau von Kernkraftwerken gesammelt. Von den einst 5 Kernreaktoren, die in Betrieb waren, stehen im Wesentlichen noch die Gebäude. Die einstigen Einbauten wie Brennstäbe, Druckgefässe, Dampferzeuger, Pumpen und Leitungen sind ausgeräumt.

Wir hatten Gelegenheit, uns einen halben Tag lang durch die Anlagen führen zu lassen.

Die Rückbauer unterscheiden verschiedene Kategorien von Material: Die Brennstäbe enthalten Spaltprodukte und werden für die Entsorgung in einem Endlager in Castorbehältern zwischengelagert.

Das Druckgefäss – das ist der BeEnergiepolitik 2050, Rückbau von KKWhälter in dem der eigentliche Reaktor eingebaut war – ist auf zwei Arten radioaktiv: einerseits ist es im Innern mit Spaltprodukten „verschmutzt“. Diese Kontamination kann durch Reinigung (Wasser- und Sandstrahl) entfernt und als radioaktiver Abfall zwischengelagert werden. Andererseits ist der Stahl durch jahrelangen Neutronenbeschuss selbst radioaktiv geworden. Diese Strahlung des Stahls kommt vorwiegend aus Kobalt-60 mit einer Halbwertszeit von 5,3 Jahren. Sie ist nach 53 Jahren auf ein Tausendstel abgeklungen. Schon jetzt kann man gefahrlos neben den Druckgefässen stehen (siehe Bild). Später  werden sie zerlegt und nach Freimessung als Schrott verkauft.

Ähnlich verhält es sich mit den Einbauten im Druckgefäss und den Dampfgeneratoren. Auch ein Teil des Betons, der zur Abschirmung der Strahlung während des Betriebs diente, ist aktiviert worden. Diese Bauteile werden als leicht radioaktiv klassiert und im extra dafür gebauten Zwischenlager (Bauzeit 3 Jahre) eingelagert.

Der grösste Teil des rückgebauten Kernkraftwerks, 99,5%, ist gewöhnlicher Bauschutt oder Schrott.

Und die Kosten? Die kann mEnergiepolitik 2050, Rückbau von KKWan bei der Firma Energiewerke Nord inzwischen genau beziffern.  Sie betragen pro Reaktor 600 Millionen Euro, inklusive Entsorgung der hochradioaktiven Bestandteile, dem Bau und Betrieb des Zwischenlagers und der Endlagerung in einem stillgelegten Eisenerzbergwerk bei Salzgitter.

Energiepolitik 2050, Rückbau von KKW

Das ist viel Geld! Man muss es in einem Zusammenhang sehen. Die Reaktoren von Lubmin lassen sich leistungsmässig mit denen von Beznau vergleichen. Beznau 1 hat seit 1969 115 Milliarden Kilowattstunden produziert. Die 600 Millionen €, verteilt auf 115 Milliarden kWh ergeben einen halben Eurocent, also 0,6 Rp pro kWh. Jetzt wissen wir es!

Übrigens wird die ganze Operation in Deutschland vom Bundesfinanzministerium, also vom Steuerzahler berappt. In der Schweiz sind die Betreiber der Kernkraftwerke verpflichtet, das Geld für den Rückbau und die Endlagerung zurückzustellen. Der Rückbau wird also nicht vom Steuerzahler, sondern nach dem Verursacherprinzip von den Stromkonsumenten bezahlt. Die Betreiber unserer 5 Kernreaktoren haben seit dem Beginn des Betriebs einen Stillegungsfonds geäufnet, der inzwischen auf 5,3 Milliarden  Fr. angewachsen ist. Ausserdem sind 1,7 Milliarden für den Nachbetrieb zurückgestellt.

Zum Schluss kriegten wir ein interessantes Dessert vorgesetzt: Weil die Leute in Lubmin perfekt russisch sprechen, in Russland studiert haben und so viel Erfahrung mit der Entsorgung von Reaktoren gesammelt haben, wurden sie von den G8 eingeladen, die Entsorgung der ausgedienten russischen Atom-U-Boote zu übernehmen. So hat Energiewerke Nord in der Nähe von Murmansk eine Rückbauanlage für 170 (!) Atom-U-Boote gebaut. Grosszügigerweise hat das deutsche Bundesfinanzministerium auch gleich die Kosten im Betrag von 600 Millionen Euro übernommen!

Kommentar

Bitte anmelden, um einen Kommentar zu posten

Suche

Anmeldung