• KaltDuschenMitDoris.ch
    Die Energiepolitik der Schweiz
    Energiewende abwenden!
26 Okt 2013

Radioaktiv! zum Dritten

Wir haben uns über ionisierende Strahlen und ihre Wirkung unterhalten. Dabei haben wir verschiedene Arten der Strahlung kennen gelernt. Heute diskutieren wir: Wie gefährlich ist Radioaktivität? Wir wissen: Sie kann krank machen. Man weiss auch: Bei Dosen von weniger als 100 Millisievert (mSv) ist noch nie jemand strahlenkrank geworden. Aber wie steht es mit den langfristigen Auswirkungen? Wir wissen, dass Strahlendosen von einigen hundert mSv die Wahrscheinlichkeit erhöhen, später an Krebs zu erkranken. Wie hängen Wahrscheinlichkeit und Dosis zusammen?

Wir wissen einiges aus einer über 50 Jahre dauernden Studie über die Überlebenden der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki. Von über 70'000 Personen konnte man die erlittene Dosis genau genug abschätzen, um sie in diese Langfriststudie einzubeziehen. Die Frage ist: Wie hängt das zusätzliche Krebsrisiko von der Dosis ab? Dazu hat man die Krebshäufigkeit der Strahlenopfer mit der einer Kontrollgroppe aus Personen verglichen, die nicht in Hiroshima oder Nagasaki wohnten, und somit keiner zusätzlichen Strahlenbelastung ausgesetzt waren, aber sonst in ähnlichen Verhältnissen lebten. Die Anzahl der Personen in der Kontrollgruppe ist jeweils gleich gross wie die Zahl der Überlebenden in der zweiten Kolonne.

 

mSv bis

 

 

Überlebende

Krebs-Todesfälle bei Überlebenden

 

 

in %

Krebs-Todesfälle in der Kontrollgruppe

 

 

in %

<5

38’507

4’270

11,1±0,17

4’282

11,1±0,17

100

29’960

3’387

11,3±0,19

3’313

11,1±0,19

200

5’949

732

12,3±0,45

693

11,6±0,44

500

6’380

815

12,8±0,45

736

11,5±0,43

1’000

3’426

483

14,1±0,64

378

11,0±0,57

2’000

1’764

326

18,5±1,0

191

10,8±0,78

Quelle: Wade Allison, Radiation and Reason

Zwei Schlüsse kann man aus diesen Zahlen ziehen:

  • das Krebsrisiko erhöht sich pro Sievert erlittene Dosis um etwa 3 Prozentpunkte (andere Untersuchungen ergeben leicht höhere Werte; man rechnet im Allgemeinen mit 5 Prozentpunkten pro Sievert).

  • die natürliche Krebssterblichkeit ist so hoch, dass unterhalb von 100 mSv keine Wirkung festgestellt werden kann.

Die Gesundheitsbehörden der meisten Länder haben Grenzwerte erlassen. Grenzwerte sind Dosen oder Dosisleistungen, die nicht überschritten werden dürfen. Diesen Grenzwerten liegt eine Hypothese zu Grunde, die allerdings für Dosen unterhalb von 100 mSv nie bewiesen wurde: Der Schaden, den die Strahlung verursacht, nimmt entsprechend der Dosis ab und es gibt keine Schwelle unterhalb der es keine Wirkung gibt (LNT = „Linear No Threshold“).

Darum gilt im Strahlenschutz das Prinzip ALARA = „As Low As Reasonably Achievable" (So tief wie vernünftigerweise erreichbar). Daneben wurden Grenzwerte für zusätzliche Dosen festgelegt, die nicht überschritten werden dürfen. Das Bundesamt für Gesundheit hat verfügt:

Grenzwert für die gesamte Bevölkerung: 1 mSv/Jahr.

Grenzwert für beruflich strahlenexponierte Personen: 20 mSv/Jahr
in Ausnahmefällen 50 mSv /Jahr, wenn die kumulierte Dosis der letzten 5 Jahre 100 mSv nicht übersteigt.

Die natürliche Strahlung beträgt in der Schweiz bis ca. 2mSv/Jahr.


Seit einiger Zeit werden immer mehr Forschungsergebnisse bekannt, die den Schluss zulassen, dass diese Grenzwerte möglicherweise zu pessimistisch sind. Die Hypothese des linearen Zusammenhangs ohne Schwellenwert ist nämlich fast sicher falsch. Kleine Dosen bis etwa 50 mSv sind nicht nur unschädlich, sondern gesund! Sie regen das Immunsystem an und stärken es. Das Phänomen heisst Hormesis. Drei Hinweise:

  • Bekanntlich gelten Kuren in Bad Gastein als gesund. Zwei Wochen Aufenthalt bedeuten 8 mSv zusätzliche Strahlendosis. Die meisten Leute fühlen sich nach dieser Kur besser.
    http://www.gastein.com/de/thermen-gesundheit/gasteiner-heilstollen

  • In Taiwan geriet eine Kobalt-60 Quelle aus einem Spital irrtümlich in eine Ladung Eisenschrott. Der Schrott wurde zu Baustahl verarbeitet und in einigen Wohnblöcken verbaut. Als das nach 20 Jahren bekannt wurde, waren 8000 Personen einer erhöhten Strahlung ausgesetzt worden. Auf Grund der Krebsstatistik hätte man unter ihnen 186 Krebsfälle erwartet, gestützt auf die lineare Dosis-Wirkungsbeziehung 56 mehr, also 242. Gefunden hat man 5!
    http://www.jpands.org/vol9no1/chen.pdf

  • Der Physiker Bernhard Cohen hat von allen Amtsbezirken (Counties) der USA die Häufigkeit von Lungenkrebs und die mittlere Radonbelastung erhoben. Es ergab sich ein klarer Zusammenhang: Je mehr Radon, desto weniger Lungenkrebs! Bei welcher Radonbelastung dieser Zusammenhang ins Gegenteil dreht, ist nicht bekannt. Dafür ist der behördlich festgelegte Grenzwert für Radon zu tief.
    http://www.phyast.pitt.edu/~blc/

Die Hormesis-Hypothese ist schon vor Jahrzehnten von der Zürcher Forscherin Prof. Hedi Fritz-Niggli vertreten worden.

Bitte anmelden, um einen Kommentar zu posten

Suche

Anmeldung