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    Die Energiepolitik der Schweiz
    Energiewende abwenden!
02 Jun 2013

Kernenergie ist ein Auslaufmodell

Für die allermeisten der heute laufenden Kernkraftwerke trifft das zu. Aber auch in der Kerntechnik gibt es technischen Fortschritt.

Die heutige Generation der Kernkraftwerke ist so ausgelegt, dass Unfälle, die eine Freisetzung von radioaktiven Substanzen zur Folge haben könnten, unter allen Umständen vermieden werden müssen. Wie wir leider lernen mussten, gelingt das nicht immer.

Das ist inakzeptabel. Auch wenn die Katastrophe von Fukushima allem Anschein nach erstaunlich glimpflich auszugehen scheint, müssen Kernkraftwerke so konstruiert sein, dass eine Freisetzung von radioaktivem Material schlicht unmöglich ist. Was auch immer passiert, die Auswirkungen müssen auf die Anlage beschränkt bleiben, schliesslich kann man eine Stadt wie Bern nicht evakuieren.

Solche Konzepte sind weit fortgeschritten. Eines ist der IFR (Integral Fast Reactor). In einem solchen Reaktor läuft ein GAU (grösster anzunehmender Unfall, zum Beispiel bei Ausfall der Kühlung) so ab: die Kettenreaktion wird bei Überhitzung zwangsläufig abgebrochen und der Reaktor führt die Nachzerfalls­wärme von selbst ab. Niemand muss etwas tun, nichts kann ausfallen, weil nichts in Betrieb sein muss.

Das Konzept hat weitere Vorteile: der „Brenn“-Stoff ist Natururan oder gar abgereichertes Uran. Davon lagern in US-Amerikanischen und Russischen Beständen so grosse Mengen, dass die Uranminen der Welt für ein paar tausend Jahre geschlossen werden könnten. Was gemeinhin als „Atommüll“ bezeichnet wird, kann in solchen Reaktoren als Energiequelle genutzt werden. Was als Reststoffe übrig bleibt, zerfällt in wenigen hundert Jahren zu harmlosen, nicht strahlenden Stoffen.

Die Entwicklung des IFR wurde 1994 auf Betreiben von Clinton’s Energieministerin O’Leary abgebrochen.

Zehn Jahre später setzte eine amerikanische Wissenschaftlerkommission den IFR auf Platz 1 einer Liste von vielversprechenden zukünftigen Reaktorkonzepten.

Kommentare

  • daidalos: in der ersten Jahrzehnten hatten die USA das Monopol in der Entwicklung der Nukleartechnik. Sie fand in staatlichen und militärischen Labors statt und war dementsprechend den wechselnden politischen Winden ausgesetzt. So wurde die Entwicklung des Flüssigsalzreaktors in den 60er Jahren wegen persönlichen Rankünen gestoppt, und der Integral Fast Reactor fiel kurz vor der Vollendung einer politischen Laune der Clinton Administration zum Opfer. Darum haben wir noch keine Gen IV Reaktoren. Übrigens wurden all die Tests, die sie verlangen, tatsächlich erfolgreich durchgeführt.

    gepostet von SAe Juni 20, 2013
  • daidalos

    warum haben wir lediglich gen II Kraftwerke in betrieb? ... kann es sein, weil 4. generationenkraftwerke erst 2030 marktreif sein werden/könnten? liebe freunde der atom Lobby, da haben wir ein echtes problem auf der zeitachse!

    und nehmen wir mal an, dass die 4. generationenkraftwerke tatsächlich passiv gekühlt werden können bei eintreten eines GAUs. dies muss a) erst noch bewiesen werden und b) setzt es voraus, dass die nötigen Leitungssystem und anlagen nach einer (Natur)Katastrophe intakt geblieben sind!

    diese überlegungen sind nett aber verwenden für meinen geschmack etwas zu viele Konjunktiv Formulierungen!

    gepostet von daidalos Juni 18, 2013
  • Der IFRS Reaktor ist eine fantastische Technologie. Es gibt aber das Problem, dass Natrium als Kühlmittel eingesetzt werden sollte. Obwohl der Vorläufer des IFR,der EBR II, Experimental Breeding Reaktor, der ebenfalls mit Natrium gekühlt wurde, mehrere Jahrzehnte unfallfrei lief, bleibt doch Natrium als Kühlmittel problematisch: Natrium brennt bei Kontakt mit Wasser oder Luft.

    gepostet von Axel Ziegler Juni 11, 2013
  • Antwort an fastedi:
    Der wichtigste Unterschied liegt in der Art, wie sich ein Ausfall des Kühlsystems auswirkt.
    Ein rasch abgeschaltetes Kernkraftwerk produziert weiterhin Energie, in den ersten Stunden gegen 10% der Leistung vor dem Abschalten, dann immer weniger. Man nennt diese Energie die Nachzerfallswärme. Diese Wärme muss durch ein Notkühlsystem abgeführt werden, sonst schmelzen die Brennstäbe. Bei Kernkraftwerken der zweiten Generation (Gen, II) wird das Notkühlsystem elektrisch betrieben, es ist also auf eine Stromversorgung angewiesen. Man nennt das aktive Kühlung.
    In der Schweiz stehen dafür (z.B. in Mühleberg) zwei unabhängige Systeme zur Verfügung und bringen damit praktisch die Sicherheit der Gen.III.
    Bei Anlagen der Gen.III+ ist die Kühlung während einiger Tage auf passive Weise, ohne Pumpen und Steuerventile möglich.
    Reaktoren der vierten Generation sind vollständig passiv sicher. Sie stellen sich im Störungsfall selbst ab und die Nachkühlung erfolgt ohne dass irgend eine Massnahme ergriffen werden muss. Man nennt das auch inhärent sicher.
    Bei der Entwicklung der Gen.IV strebt man weitere Verbesserungen an: Massiv bessere Ausnützung der Nuklearbrennstoffe, höhere Temperaturen und damit Wirkungsgrade. (Wir kommen darauf zurück.)
    Dank ständigen Nachrüstungen ist es in der Schweiz nicht nötig, schnell auf Gen.III umzusteigen und Gen.IV ist noch nicht bereit.
    Das ist jetzt eine Erklärung in ganz groben Zügen.

    gepostet von SAe Juni 10, 2013
  • Was unterscheidet ein Kraftwerk der 3. oder 4. Generation von den heute in der Schweiz eingesetzten Kraftwerken?
    Müsste dann nicht ein Ausstieg aus den "alten" Atommeiler vorangetrieben werden und diese durch sicher moderne Anlagen ersetzt werden?

    gepostet von Diethelm Emil Juni 10, 2013
  • Technisch ist die Kernenergie kein Problem mehr.
    Die grossen Probleme machen Politiker mit ihrem Atomausstieg, der nichts bringt ausser riesigen Kosten, Bauverzögerungen bei neuen Kernkraftwerken und eine Destabilisierung unserer Energieversorgung.
    Wenn Kernkraftwerke tatsächlich schlecht wären, müsste man sie sofort stilllegen und auf keinen Fall so lange betreiben, wie sie sicher sind.
    Kernkraftwerke der 4. Generation bieten viele Vorteile, werden aber erst nach 2030 marktreif sein. Daher braucht die Schweiz mindestens ein Kernkraftwerk der 3. Generation, um die Stromlücke zu schliessen.

    gepostet von Markus Alder Juni 09, 2013
  • Technisch ist die Kernenergie kein Problem mehr.
    Die grossen Probleme machen Politiker mit ihrem Atomausstieg, der nichts bringt ausser riesigen Kosten, Bauverzögerungen bei neuen Kernkraftwerken und eine Destabilisierung unserer Energieversorgung.
    Wenn Kernkraftwerke tatsächlich schlecht wären, müsste man sie sofort stilllegen und auf keinen Fall so lange betreiben, wie sie sicher sind.
    Kernkraftwerke der 4. Generation bieten viele Vorteile, werden aber erst nach 2030 marktreif sein. Daher braucht die Schweiz mindestens ein Kernkraftwerk der 3. Generation, um die Stromlücke zu schliessen.

    gepostet von Markus Alder Juni 09, 2013
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