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    Die Energiepolitik der Schweiz
    Energiewende abwenden!
23 Mai 2013

Fukujima ist für Jahrzehnte verstrahlt

Stimmt. Bloss: Was heisst „verstrahlt“? Und: wie stark verstrahlt?

Wenn die Medien „verstrahlt“ sagen, dann meinen sie „kontaminiert“; will sagen: da liegt Zeug herum, das radioaktiv ist, das ionisierende Strahlung aussendet. Ionisierende Strahlung kann Moleküle zerlegen und damit lebende Zellen schädigen. Ist das nicht lebensgefährlich? Kommt drauf an. Auf die Dosis nämlich. Das wusste schon unser Landsmann Theophrastus Paracelsus im Mittelalter: Die Dosis sagt, was giftig ist. Viel Gift ist giftiger als eine Spur Gift. Eine Spur Gift ist manchmal sogar gesund!

In den blauen und grünen Zonen kann man wohnen.

Wissen Sie, dass die ganze Welt von Natur aus radioaktiv ist – auch Sie  selbst? Radioaktive Stoffe sind überall. In Ihrem Körper gibt es Kalium. Radioaktiv! Und Kohlenstoff: radioaktiv! Um Sie herum gibt es Gestein, das enthält Uran und Thorium: radioaktiv. Es gibt viele Gebäude, die stärker strahlen, als es einem AKW erlaubt wäre; berühmtes Beispiel: die Grand Central Station in New York. (Ein Gebäude aus Granit). Schliesslich werden wir ständig von ionisierender Strahlung aus dem Weltraum bombardiert. Die ganze Erde ist verstrahlt!

Warum überleben wir das alles? Weil die Dosen klein sind.

Wie misst man eine Dosis? Dazu gibt es hochempfindliche Instrumente. So wie man Gewicht in Kilogramm und Temperatur in Grad misst, misst man Strahlendosen in Sievert (Sv). Was ist ein Sievert? Das ist eine sehr grosse Einheit; es ist die Menge Strahlung, die krank machen kann. Die natürliche Strahlung im schweizerischen Mittelland ist etwa zwei tausendstel Sievert pro Jahr. Man sagt auch 2 Milisievert (mSv). In den Bergen steigt die Dosis auf das Doppelte. Dazu kommen im Mittel 0.5 mSv aus medizinischen Anwendungen (Röntgen!). Für beruflich strahlenexponierte Personen sind 20 mSv pro Jahr erlaubt. In der evakuierten Zone um das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi schätzt man die zusätzliche Strahlendosis im ersten Jahr nach der Katastrophe auf zwischen 1 und etwas über 200 mSv. Danach nimmt die Dosisrate langsam ab. Um die Hälfte in 30 Jahren, weil die meiste Strahlung von Strontium-90 und Cäsium-137 stammt; die haben beide eine Halbwertszeit von etwa 30 Jahren. Wahrscheinlich geht es aber schneller, weil die strahlenden Elemente mit der Zeit ausgewaschen oder vergraben werden – von Regenwürmern zum Beispiel.

Es gibt übrigens Gegenden auf diesem Planeten – etwa der Sandstrand von Kerala in Indien - wo die Dosisleistung seit jeher höher war als heute um Fukushima. Da wohnen Menschen. Gesunde Menschen. Wir kommen darauf zurück!

Kommentare

  • Im Rahmen meiner häufigen Aufenthalte in Japan verfolgte ich kürzlich die Absicht, ein objektives Bild der gegenwärtigen Radioaktivität-Belastung während des Flugs, in Tokyo und in Fukushima zu erhalten. Ich war mit einem Messgerät des "Calibration Laboratory" der PSI-Abteilung "Radiation Safety and Security" ausgerüstet. Die Messungen fanden am 31. Okt. 2013 statt.
    Die wiederholten Messungen ergaben folgende Werte: (1) Zürich Flughafen: 0.06 microSv/h. (2): Während des Flugs auf 10 km Höhe: 3.57 - 4.17 microSv/h. (3) Tokyo Ginza Gebiet: 0.05 microSv/h. (4) Iwaki, ca. 250 km nördlich Tokyo: 0.04 microSv/h. (5) Beim Absperrposten ca. 15 km von den Reaktoren entfernt lag die Belastung 0.19 - 0.31 microSv/h.
    Mit andern Worten: (a) Die Belastung in Tokyo bis und mit Iwaki ist - vergleichbar mit der Belastung in Zürich - unbedeutend in Bezug auf den Grenzwert von 1mSv/y. (b) Beim Absperrposten mit ausschliesslich Werksverkehr lagen die Werte rund 9x tiefer als die dort gültige Grenze von 20mSv/year. (c) Die Belastung während des Flugs lag rund 10x höher als jene beim Absperrposten.

    gepostet von Hugo Tschirky November 17, 2013
  • Herr Kohler:
    danke, dass sie hereingeschaut haben! Bestimmt findet man irgendwo in der Nähe des KKW von Fukushima solche Dosisleistungen – wohl weit höhere, wenn man in die Ruinen hineingeht. Wenn man nicht "verdehen" will, muss man differenzieren: Es geht ums grosse Bild, um die Evakuierungszone. In den Gebieten, die im Bild oben rechts blau sind, war die Dosisrate ende 2012 kleiner als 50 mSv pro Jahr. Das ist zwar höher als die behördlichen Grenzwerte, aber nicht höher als vielerorts die natürliche Strahlung. Ich persönlich würde lieber dort wohnen als in der Abgasluft von Tokyo.
    Um Goethe zu paraphrasieren: mit ausgewählten Daten lässt sich trefflich streiten! Ihre 1 Sv pro Stunde sind, weil zu Ihrer Meinung passend, ausgewählt.

    gepostet von SAe Juli 15, 2013
  • Tja, so kann man die Sache auch verdrehen. Die Strahlenbelastung in Fukushima liegen bei 1 Sv / pro Stunde. Aus der Rechnungsstunde ergibt sich also eine 4'382'880fach höhere Belastung als bei uns im Mittelland. Und nebenbei eine rund 9000fach höhere Belastung als in Kerala...... ein bisschen Denken hilft meistens.

    Meine Stimme habt ihr so sicher nicht!

    gepostet von Beat Kohler Juli 14, 2013
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