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23 Mai 2013

Fukujima ist ein Wendepunkt

Das ist richtig. Zum ersten Mal ist in einem technisch hochstehenden Land ein Atomunfall passiert, der radioaktives Material in nicht vernachlässigbarer Menge freigesetzt hat. Zum ersten mal ist ein Atomkraftwerk einer Einwirkung von aussen ausgesetzt worden, für die es nicht ausgelegt war. Was heisst da ein Atomkraftwerk? Es waren deren 13: Sechs im Werk Fukushima Dai-ichi, vier in Fukushima Dai-ni und drei in Onagawa. Keines war für ein Erdbeben der Magnitude 9 ausgelegt. Trotzdem haben alle standgehalten und alle, die in Betrieb waren, schalteten sich automatisch ab. Drei waren zum Zeitpunkt der Katastrophe abgeschaltet.

Keines war für einen Tsunami ausgelegt, wie er letztmals vor über 1000 Jahren zuschlug. Aber neun der 13 Reaktoren konnte auch diese Katastrophe nichts antun. Vier allerdings gerieten in grosse Schwierigkeiten, weil der Tsunami die Diesel-Generatoren der Notkühlsysteme zerstörte. Drei davon überhitzten in der Folge und mussten mit improvisierten Methoden gekühlt werden. Dabei entstanden Schäden, die zur Freisetzung von radioaktiven Stoffen führten.

Die Notstromgruppen waren ungeschützt im Maschinenhaus gebaut worden. Das wurde auch nach einer Warnung der Amerikanischen Aufsichtsbehörde 1990 nicht geändert. Eine 5,7 Meter hohe Tsunami-Schutzmauer fand man erst nach einem schweren Erdbeben 2007 für notwendig und übersah, dass sich in den letzten 500 Jahren durchschnittlich alle 30 Jahre ein Tsunami mit einer Flutwelle über 10 Meter Höhe ereignete. Wären die Notstromgruppen, wie in Fukushima Dai-ni und in Onagawa (und übrigens wie bei allen Atomkraftwerken in der Schweiz) verbunkert gewesen, hätte auch Dai-ichi diese Jahrtausendkatastrophe schadlos überstanden.

Ja, Fukushima ist ein Wendepunkt. Seit Fukushima wissen wir, dass Kernreaktoren auch extremste Naturereignisse überstehen können. Wir wissen aber auch, dass Naturereignisse manchmal alle Vorhersagen übertreffen und dass die Reaktoren dafür ausgerüstet werden können und ausgerüstet werden müssen.

Seit Fukushima sind unsere Atomkraftwerke sicherer geworden – weil wir viel gelernt haben. Wir haben gelernt, dass Naturgewalten ungeahnte Ausmasse annehmen können und dass man die Betreiber manchmal dazu zwingen muss, Warnungen ernst zu nehmen. Wir haben auch gelernt, dass Sicherheitsmassnahmen zwar viel kosten, dass aber Unfälle sehr viel teurer sind.

Kommentare

  • Sehr geehrter Herr Resche,
    wenn Sie die 300 Tonnen (= 300 Kubikmeter) verseuchtes Wasser in den Stausee "Grande Dixence" mit 400 Millionen Kubikmeter Inhalt schütten, verdünnt sich das verseuchte Wasser 1 1/3 Millionen mal! Wie hoch verdünnt es sich, wenn es in den Pazifik gelangt (Kopfrechnen!).

    gepostet von Peter V. Brunner September 19, 2013
  • Ja, das wurde ja überall genüsslich verbreitet. Was ist der Newswert? Da passierten doch am gleichen Ort und zur gleichen Zeit 3 (drei) G.A.U. - grösste anzunehmende Unfälle. Dass es da radioaktive Pfützen gibt ist wohl keine Überraschung. Dass Tepco da immer noch eine Riesensauerei veranstaltet ist schon eher erstaunlich. Die ganz grosse Story, die offenbar keine Meldung wert ist: niemand ist dabei wegen der Strahlung ums Leben gekommen.
    Sorry für den überflüssigen weiteren Kommentar ;-)

    gepostet von Simon Aegerter August 22, 2013
  • Aus Spiegel Online vom 21.8.13: «Aus einem neuen Leck am Katastrophen-Kernkraftwerk Fukushima Daiichi sind rund 300 Tonnen radioaktiv verseuchtes Wasser ausgetreten.

    Die japanische Atomaufsichtsbehörde spricht von einem "ernsten Störfall" der Stufe drei auf der bis sieben reichenden internationalen Skala für Atomunfälle. Bisher galt lediglich Stufe eins ("Anomalität"). Der Elektrizitätskonzern Tepco teilte mit, dass in dem havarierten Kraftwerk das bisher größte radioaktive Leck seit der Atomkatastrophe im März 2011 entdeckt worden sei.

    In Pfützen seien Strahlungswerte von 100 Millisievert pro Stunde gemessen worden, was Wissenschaftlern zufolge für Menschen gesundheitsgefährdend ist. Das Wasser ist so stark kontaminiert, dass ein Mensch, der sich unmittelbar daneben aufhält, innerhalb einer Stunde das Fünffache der Strahlung abbekommt, die für AKW-Mitarbeiter innerhalb eines Jahres als gerade noch zulässig gilt.

    Das Leck soll sich in einem von Hunderten Tanks auf dem Gelände befinden. Tepco konnte noch nicht sagen, wo genau es aufgetreten ist.» Weiterer Kommentar überflüssig!

    gepostet von Guntram Rehsche August 21, 2013
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