• KaltDuschenMitDoris.ch
    Die Energiepolitik der Schweiz
    Energiewende abwenden!
15 Dez 2014

Aussteigen oder nicht aussteigen? – das ist die Frage

Sie sind sich gewohnt, dass Kaltduschenmitdoris Fakten liefert. Heute machen wir eine Ausnahme: Was Sie hier lesen ist eher eine Kolumne mit Meinungen, Vermutungen und Spekulationen:

Die Monsterdebatte im Nationalrat ist geschafft. Der Scherbenhaufen ist überblickbar und die meisten Gesichter sind gewahrt.

Ein Gesamteindruck ist nicht leicht zu gewinnen, zu widersprüchlich waren die diversen Aussagen. Immerhin: Es wurde klar, dass der Atomausstieg der zentrale Punkt der Energiewende ist. Die Einen wollen ihn unbedingt, die Andern wollten ihn unbedingt verhindern. Die Diskussionen um die Erneuerbaren und deren Chancen wirkten wie Scharmützel auf einem Nebenschauplatz. Diejenigen, die den Ausstieg wollen, schwärmen von ihrem Potential, die andern warnen vor Träumereien und Subventionen.

Haben wir ihn jetzt, den Atomausstieg? Klar, die BKW nimmt Mühleberg 2019 vom Netz und die beiden Beznau-Reaktoren werden (vielleicht?) um 2030 stillgelegt. Und dann? Die beiden grossen, Gösgen und Leibstadt laufen vorerst weiter. Der Atomausstieg beruht einzig und allein auf dem Verbot von Rahmenbewilligungen für neue Kernkraftwerke, auch für alle neuen Typen. Darum ist dieses Verbot für Links-Grün so ungemein wichtig.

Wie wichtig, zeigte sich in der Fragerunde nach BR Leuthards Plädoyer: NR Killer fragte sie, ob es denn zutreffe, dass das Verbot von Rahmenbewilligungen nur für die gegenwärtige Generation von Kernreaktoren gelte, wie ihr Amtsdirektor Steinmann öffentlich erklärte. Die Bundesrätin wirkte sichtlich irritiert und beantwortete die Frage indirekt: das Atomzeitalter sei ein für alle mal vorbei, sagte sie sinngemäss. Diese Meinung ist offenbar departementsintern nicht ganz unumstritten.

Ebenso ratlos lässt einem die Medienanalyse zurück: Vor der Debatte war die BAZ einsamer Rufer: Strahlender Stern am Medienfirmament ist Markus Somm : (Siehe die beiden pdf), eng gefolgt von seinem Mitarbeiter Dominik Feusi (pdf).

Nach der Debatte scheinen einige Journalisten die Probleme und Grenzen der Erneuerbaren plötzlich zu ahnen. Sogar die sonst eher atomkritische „Schweiz am Sonntag“ (pdf) und gar das Schweizer Fernsehen (10vor10) machten mit gut gemachten Beiträgen darauf aufmerksam, dass weltweit und – horribile dictu – auch in der Schweiz, vor allem am  Paul Scherrer Institut (PSI), an den Kernreaktoren der Zukunft geforscht wird. Irritierend dann die Reaktion des Direktors des PSI. Er fühlte sich zu einer Pressemeldung verpflichtet: es sei keineswegs so, dass im PSI ein neuer Reaktor entwickelt werde. Das hatte gar niemand behauptet. Gab es da wohl ein Telefon aus Bern?

Die Nervosität steigt und sie wird immer wahrnehmbarer. Die Kosten der Energiewende werden sichtbar: Die Professoren Silvio Borner und Berndt Schips schätzen allein die direkten Kosten auf über 100 Milliarden. Die Fakten lassen sich immer weniger verwedeln, und nach geschlagener Schlacht mehren sich die kritischen Stimmen in den Medien und in den Leserbriefen; die NZZ am Sonntag vom 14. Dezember schlägt gleich doppelt zu.

Die Diskussion in der Öffentlichkeit hat erst begonnen und der Kampf gegen die Energiewende ist noch keineswegs verloren, gerade auch angesichts der Erfahrungen aus Deutschland:  E.on verscherbelt ihre Kraftwerke. Andere Kraftwerke, die Geld verlieren und deshalb abgestellt werden sollten, müssen per Dekret der Netzgesellschaft weiterlaufen, um die Versorgung sicherzustellen, wenn der Wind nicht bläst und die Sonne nicht scheint und sie müssen weiter Geld vernichten. Und die Schlote der Kohlekraftwerke rauchen. Die Einsicht steigt. Die Hoffnung bleibt.

Und in die Hoffnung mischt sich ein Verdacht: In irgend einem Zusammenhang muss der Unsinn ja Sinn machen – wir haben diesen Zusammenhang bloss noch nicht gefunden. Dabei ist er eigentlich naheliegend: Politik! Wenn die ganze Übung dazu dienen soll, die links-grüne Koalition inklusive CVP zusammen zu halten, dann wurde alles richtig gemacht, dann macht alles Sinn.

Somm 1

Somm 2

Feusi

Grüner Reaktor

 

Kommentar

  • Liebes kaltduschenmitdoris.ch Team
    jetzt werden die Beiträge zynisch. Das macht richtig Freude. Sachlich geht es bei den Sesselfurzern in Bern ja sowieso nicht zu und her. Davon verstehen sie halt nichts (siehe blaue Box). Es wird gewahrt, gemauert, gelogen und der eigene Vorteil gesucht. Leider nicht zum Wohle des Volkes. Wir haben ja aber zum Glück noch die Politiker die wollen, dass alles vom Volk entschieden wird. Dann haben wir ja die Gelegenheit mit sachlichen Argumenten wieder zu punkten.
    Frei nach dem Motto „Kommt Zeit kommt Rat“

    gepostet von Fastedi Dezember 17, 2014
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