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    Die Energiepolitik der Schweiz
    Energiewende abwenden!
20 Nov 2014

Zukunft in China

Bundesrätin Doris Leuthard nennt drei Gründe, warum wir auf Kernkraftwerke verzichten sollen:

  • Sie sind zu gefährlich
  • Sie sind zu teuer
  • die nächste Generation gibt’s erst Jahrzehnte in der Zukunft.

In der Fachwelt hört man etwas anderes. Was gilt jetzt? Um das herauszufinden, haben wir uns wieder mal auf eine Reise begeben.

Wir erzählen heute von zwei Reisen. Beide führten das halbe Kaltduschenmitdoris-Team (Simon) nach China.

Es war im Mai 1980, als eine Delegation der Schweizerischen Physikalischen Gesellschaft auf Einladung der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Peking eintraf. Das war dreieinhalb Jahre nach Maos Tod und das Land war daran, sich von der Katastrophe der „Kulturrevolution“ zu erholen.

Die Forschungsinstitute und Universitäten, die wir besuchten, wurden meistens von 70 bis über 80-jährigen Veteranen geleitet. Es fehlte eine ganze Generation von Wissenschaftlern. Die Laboreinrichtungen machten einen ärmlichen und veralteten Eindruck. Doch das Stimmungsbarometer stand auf „Aufbruch!“

Noch entsprach das Strassenbild den gängigen Clichés: in dunkelblaue Mao-Kittel gekleidete Massen von kleinen und hageren Leuten. Die Hungersnöte der letzten Jahrzehnte hatten ihre Spuren hinterlassen. Der Strom der Fahrräder steckte in Kreuzungen fest.

Vierunddreissig Jahre später: Der Provinzflughafen von Weihai ist blitzsauber und die modisch gekleideten Passagiere werden von Taxis gebracht und abgeholt. Über die Autobahn geht die Fahrt entlang von Industrieanlagen, durch herausgeputzte Städtchen (mit leicht chaotischem Autoverkehr) und vorbei an gepflegten Feldern zum Hotel Shidao, am Strand des Gelben Meeres.

Hier findet der 4-tägige Kongress über den Inhärent Sicheren, Modularen Reaktor statt. Es ist kein Zufall, dass dieser Kongress in China stattfindet; die Chinesen sind inzwischen führend in moderner Reaktortechnik.

Die unglaubliche Entwicklung, welche das Land in nur einer Generation erzielt hat, beruht auf zwei Dingen: auf dem von Deng Xiaoping neu freigesetzten chinesischen Unternehmergeist – und auf Energie, insbesondere auf Strom. Der Bedarf an elektrischer Energie ist gewaltig gewachsen. Als der Bau des Dreischluchten-Kraftwerks am Yang Tse begann, sollte es 10% des Strombedarfs decken. Als es fertig war, lieferte es 3%. So stark war der gesamte Stromkonsum inzwischen gewachsen.

Neben der Wasserkraft ist es in erster Linie die Kohle, welche den Strombedarf deckt – mit verheerenden Folgen: Die Smogglocke über den Grossstädten wird immer unerträglicher und tödlicher. Die politische Führung des Landes hat – im Gegensatz zu unseren Spitzenpolitiker(inne)n – die Situation kühl analysiert und sie sieht nur einen Ausweg: Kernenergie! Zur Zeit liefern 21 Kernkraftwerke Strom ins Netz und 29 sind im Bau. Noch sind das grosse Kraftwerke der Generation 3, also nicht die letzte Innovation, doch die Zukunft hat schon begonnen: Alle zur Zeit denkbaren Varianten der nächsten Generation von Kernkraftwerken werden in China entwickelt und getestet. Diese Reaktoren der Generation 4 sind inhärent sicher, hocheffizient, modular und billig. Sie sollen ab 2017 beginnen, Strom zu liefern und ab 2030 die Kohlekraftwerke zunehmend verdrängen.

Einer davon ist der HTR. Das steht für „Hochtemperatur-Reaktor“. Das Prinzip haben die Forscher in Jülich erfunden und entwickelt, auch mit Hilfe der damaligen BBC. Dann setzte Südafrika Hoffnungen auf diesen „Kugelhaufenreaktor“ . Regulatorischer Unsinn in Deutschland (man verlangte eine Wasserkühlung, wo Wasser nichts zu suchen hat) und fehlendes Geld in Südafrika, machten den Hoffnungen ein Ende. Doch jetzt kommen die Chinesen. Seit 10 Jahren läuft ein experimentel­ler Re­aktor dieses Typs an der Tsing Hua Universität in Beijing. Auf der Halbinsel Shan­dong, nahe dem Tagungsort, entste­hen zwei Reaktoren mit 250 MW Leistung. Sie sollen 2017 den Betrieb aufnehmen. Das ist kein Tagtraum, sondern buchstäblich harte Tatsache: der Beton für das Gebäude ist weitgehend gegossen (siehe Bild) und die Einbauten sind bereit.

Das ist einer der Reaktortypen, vor denen sich Greenpeace und Co. fürchten: Er nimmt ihnen alle Argumente weg. Unfälle wie in Tschernobyl und Fukushima werden nicht unwahrscheinlicher, sondern unmöglich. Graphit kann nicht schmelzen; die Wärme wird mit Helium abgeführt, ein chemisch inaktives Edelgas; bei Überhitzung kann es keine Kettenreaktion mehr geben und die Kühlung erfolgt ohne Strom und Pumpen. Inhärent sicher nennt man das. Wie ein Teller, das am Boden liegt – es kann nicht herunterfallen.

Diese Reaktoren sind klein genug, dass sie in Zukunft am Fliessband produziert werden können. Das spart Kosten. Bis zu 6 Reaktoren können eine einzige Turbogeneratorgruppe antreiben. Das ist flexibel. Sie sind problemlos unterirdisch zu betreiben. Das schützt sie vor der letzten Unsicherheit: gegen Einflüsse von aussen.

Die Argumente des Bundesrates fallen in sich zusammen. Kein Wunder, hatte das BfE keine Freude, dass eine Schweizerdelegation diesen Kongress besucht. Dafür kann ich Euch jetzt über Dinge berichten, von denen der Bundesrat nicht will, dass ihr sie kennt:

Sichere Kernreaktoren sind in 10 Jahren günstig zu haben!

Günstig, noch nicht billig: die kWh dürfte 10 bis 15% mehr kosten als der gegenwärtige Atomstrom. Aber einige Jahre später dürften die Flüssigsalzreaktoren marktreif werden. Solche werden in Shanghai entwickelt. Sie sollten den Strom billiger liefern können als Kohlekraftwerke.

 

 

 

 

 

 

Kommentare

  • China war ja schon mal weiter in der Entwicklung als Europa. Liegt halt einfach etwas zurück.
    Den Thorium Reaktor können wir uns nach der Wintersession vermutlich gar nicht mehr anschauen, weill dann der Atomausstieg beschlossene Sache sein wird. Die Energiepolitik 2050 wird umgesetzt, da alle Parteien Angst haben die Wähler zu verlieren. Politik bleibt Politik auch wenn es die Energiepolitik 2050 ist. Entscheidungen werden nicht zum Wohl der Nation gefällt, sondern zum Wohl der eigenen Macht.

    gepostet von Fastedi Dezember 01, 2014
  • China war ja schon mal weiter in der Entwicklung als Europa. Liegt halt schon einige Zeit zurück.
    Den Thorium Reaktor können wir uns nach der Wintersession vermutlich gar nicht mehr anschauen, weil dann der Atomausstieg beschlossene Sache sein wird. Die Energiepolitik 2050 wird umgesetzt, da alle Parteien Angst haben die Wähler zu verlieren. Politik bleibt Politik auch wenn es die Energiepolitik 2050 ist. Entscheidungen werden nicht zum Wohl der Nation gefällt, sondern zum Wohl der eigenen Macht.

    gepostet von Fastedi Dezember 01, 2014
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