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    Die Energiepolitik der Schweiz
    Energiewende abwenden!
12 Jul 2014

Sonniges Saeuliamt

In der NZZ vom 11. Juli las man einen Artikel mit dem Titel "Eine Region unter Strom". Weil da wieder einmal Hoffnungen geweckt werden, die sich niemals erfüllen werden, konnten wir uns nicht zurückhalten und haben einen Leserbrief geschrieben, der die Träume mit einigen Fakten konfrontiert. Für den (sehr wahrscheinlichen) Fall, dass er nicht publiziert wird, möchten wir ihn Euch nicht vorenthalten. Hier ist er:

Ein 10 km langes und (angenommen) 16 Meter breites Solarkraftwerk über der A4? Tönt nach einer guten Idee! Hat sich wohl jemand die Mühe genommen, ein paar einfache Rechnungen anzustellen? Wenn man rechnet*), findet man folgendes:

  1. Dieses Solarkraftwerk dürfte im Jahr zirka 17 Millionen Kilowattstunden produzieren. Wieviel ist das? Das ist gleichviel, wie das Kernkraftwerk Gösgen in 17 Stunden produziert, also zum Beispiel zwischen 6 Uhr abends und 11 Uhr am nächsten Morgen, wenn das A4-Kraftwerk die meiste Zeit gar keinen Strom liefert.

  2. Das 160’000 m2 messende Band aus Photozellen dürfte bei 500 Franken pro m2 80 Millionen Franken kosten. Dazu kommt die Struktur, welche die Photozellen trägt und die elektrische Infrastruktur wie Wechselrichter, Transformatoren und Leitungen. Aber das ist kein Problem: finanziert wird das ganze ja von den nicht so futuristischen Stromkonsumenten, die ihren Strom aus Wasserkraft und Kernenergie beziehen über die „Kostendeckende Einspeisevergütung“, also durch Quersubvention. Dieses Geld kommt dann offensichtlich nicht aus dem Säuliamt. Autarkie?

  3. Werden die Säuliämtler, um wirklich energieautark zu werden, für die Nacht, den Winter und neblige Tage ein Kohlekraftwerk bauen? Wohl kaum! Der Kohlestrom kommt dann halt aus Deutschland. Autarkie ist anders. Autarkie würde heissen, keine Verbindung zum Stromnetz und keine Subventionen von ausserhalb des Knonaueramts.

Kaum zu glauben, dass die ehrwürdige NZZ einer solchen Utopie (um es anständig zu sagen) so viel Raum einräumt!

*) Die Rechnung geht so: Die Leistung des Sonnenlichts, das senkrecht auf einen Quadratmeter scheint, ist etwa 1’000 Watt. Davon kann das Silizium der Photozellen etwa 12% in elektrische Energie umwandeln (etwas mehr, wenn man bereit ist, eine teurere Variante zu wählen). Also: 120 Watt. Im schweizerischen Mittelland liefern Solarzellen soviel Strom, wie wenn sie 700 bis 900 Stunden mit voller Leistung liefen. Das Jahr hat aber 8’760 Stunden. Das sind also knapp 10% der Zeit. Ergibt 12 Watt pro Quadratmeter. Mal 8’760 Jahresstunden ergibt 105 kWh pro Jahr und m2. multipliziert mit 160’000 m2 ergibt 16,8 Millionen kWh.

Kommentare

  • Schon mal überlegt, was passiert, wenn ein Lastwagen oder Bus in diese fragilen Stützen reinrast? Im Minimum wären Querstreben nötig, aber was passiert bei Schneefall? Zum Beispiel nach einem Meter Schnee, dann kräftiger Regen?

    gepostet von Thomas Fehlmann Juli 31, 2014
  • ;-)

    gepostet von Simon Aegerter Juli 14, 2014
  • Liebes kaltduschenmitdoris-Team, da wurde aber ein Faktor vergessen. Wenn die Autobahn überdeckt wird, muss man da kein Salz mehr streuen und der Schneepflug kann auch zu Hause beleiben. Das ist doch ein wirklicher psotitiver Nebeneffekt.

    gepostet von Fastedi Juli 14, 2014
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