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    Die Energiepolitik der Schweiz
    Energiewende abwenden!
21 Nov 2013

Energiestrategie 2050 – Erfahrungen

Die Kommission des Nationalrats für Umwelt, Raumplanung und Energie (UREK) hat mit 18:7 Stimmen Eintreten auf die Vorlage aus dem Bundesamt für Energie beschlossen. Haben die Damen und Herren die Vorlage wohl gelesen? (Siehe „Halbe Energiewende“) Und: lesen sie überhaupt Zeitungen? Sie könnten wissen, auf was sie sich einlassen. Deutschland macht es vor.

In Deutschland hat die „Energiewende“ schon vor Fukushima begonnen – damals allerdings noch mit Atomstrom. Erneuerbare Energien sollten die Kohle ersetzen. Darum erfand schon die rot-grüne Regierung Schröder im Jahr 2000 das „Erneuerbare-Energie-Gesetz“ (EEG), das die Subvention von Solar- und Windstrom ermöglichte. Die Kosten tragen in einem „Umlage“-Verfahren die Bezüger von Strom aus nicht erneuerbaren Quellen. Vorerst bescheidene 0,2 Cent pro kWh. Kennen wir das? Ja, bei uns heisst das KEV (kostendeckende Einspeisevergütung). Inzwischen bezahlen die deutschen Stromkonsumenten einen Zuschlag von 5,3 Cents – zuzüglich Mehrwertsteuer sind es sogar 6,21 Cents!


Die eigentlichen Ziele der „Energiewende“ wurden dabei bei weitem verfehlt. Der Anteil der fossilen Brennstoffe an der Stromproduktion ist immer noch gleich hoch wie 1990. Nach Fukushima und der panischen Abschaltung von 8 KKW ist er sogar noch gestiegen. Atomstrom wird durch Kohlestrom ersetzt.

In der Schweiz sind wir wie üblich ein wenig später dran. Wir hätten ja auch keinen Grund für eine Energiewende. Schliesslich produzieren wir unseren Strom schon jetzt weitgehend CO2-frei und zu 60% aus erneuerbarer Wasserkraft. Aber Wende muss sein. Also springen unsere Politiker und Politikerinnen auf den Zug auf, der ins wirtschaftliche Verderben führt.

Die exorbitanten Strompreise sind nämlich nicht die ganze Geschichte. Der hochsubventionierte Solar- und Windstrom macht den Kraftwerkbetreibern zunehmend Kopfzerbrechen. Der Wind weht wann er will und die Sonne geht jeden Abend unter. Wenn sie ausfallen, müssen andere Kraftwerke einspringen. Weil sie bei Sonnenschein und Wind keinen Strom liefern können und somit kein Geld verdienen, rechnet sich ihr Betrieb kaum mehr.


Der Markt ist nämlich ausgeschaltet: der alternative Strom muss von den Versorgern abgenommen werden, egal zu welchem Preis. An einem schönen Sommersonntag entsteht eine solche Stromschwemme, dass der Stromversorger den Strom verschenken muss. Die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis belastet die Rechnung zusätzlich. Tendenz steigend! Kein Wunder beginnen sie auch nach Subventionen zu rufen.


Das Stromnetz ist in Deutschland jetzt schon an der Grenze seiner Möglichkeiten. Die Probleme strahlen auf die Nachbarländer aus, auch auf die Schweiz. Sobald auch bei uns Solarstrom in nennenswerten Mengen fliesst, überlagern sich die Probleme. Bloss nimmt der Bundesrat dies nicht zur Kenntnis: In der Botschaft kommt das Netz nicht vor! Fachleute rechnen in Deutschland mit einem Netzausbaubedarf von 25 Milliarden € ohne die Investitionen in ein „Smart Grid“. Auch diese Kosten belasten den Strompreis.

Im Endeffekt läuft es darauf hinaus, dass Deutschland zwei Produktionsparks haben muss: einen wenn die Sonne scheint und der Wind weht und einen, wenn die alternativen Quellen ausfallen. Doppelte Kosten für gleiche Produktion! Und alles muss subventioniert werden.

Wollen wir das?

Kommentar

  • Ein komplexes Thema treffend und verstaendlich beschrieben.
    Dass zwei Infrastrukturen entstehen, eine bestehende und eine neue ist voellig irrational. Ich verstehe nicht, wo bei den Deutschen der gesunde Menschenverstand geblieben ist. Es scheint immer mehr dass der Mittelstand als Haupttraeger der deutschen Wirtschaft zuwenig in der Politik vertreten ist. Die bekannte Leidensfaehigkeit der Deutschen wird hier arg strapaziert. Wie lange?
    Die Energiestrategie 2050 hat zwar eine weit in der Zukunft liegende Jahreszahl aber keinen realistisch erscheinenden Loesungsansatz.
    Die Alternative: Wir produzieren bereits praktisch CO2-freien Strom und sind in der Energieeffzienz fuehrend. Wir sollten der Welt nun demonstrieren wie Transport und Mobilitaet dekarbonisiert werden koennten. Mit Elektroautos aber noch staerker mit CO2-neutralem synthetischen Treibstoff. Dazu muessten wir die zum Ersatz vorgesehenen Kernkraftwerke mit Hochtemperaturreaktoren ersetzen. Die daraus entstehende CO2-freie Prozesshitze wuerde die Synfuel-Produktion ermoeglichen. Damit koennte die Schweiz Innovationsfuehrer werden und Technologien und Know-how exportieren.

    gepostet von Urs Bolt November 24, 2013
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